FAQ Fondsbeteiligungen

  • 1. Was versteht man unter einem geschlossenen Fonds?

    Im Unterschied zu offenen Investmentfonds sind geschlossene Fondsbeteiligungen oder auch Unternehmensbeteiligungen etc. nicht frei handelbar, da im Regelfall nur ein im Vorfeld mittels des Gesellschaftsvertrags festgelegtes Eigenkapital an entsprechende Investoren vertrieben wird und die Haltedauer für einen bestimmten Zeitraum fest vereinbart ist. In der Bundesrepublik Deutschland werden derartige Fondsbeteiligungen in der Regel in der Rechtsform der GmbH & Co. KG oder einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) aufgelegt.

    Mittels eines geschlossenen Fonds werden sowohl Immobilien als auch sonstige Investitionsgüter aller Arten (Schiffsfonds, Windkraftfonds, Flugzeugfonds, Containerfonds, Lebensversicherungsfonds etc.) finanziert.

    Auf Grund des unternehmerischen Charakters dieser Arten von Beteiligungen sind geschlossene Fonds regelmäßig mit nicht unerheblichen Risiken verbunden, die je nach Art der rechtlichen Konstruktion unter Umständen auch mit einer persönlichen Haftung des Anlegers (GbR) oder Nachschussverpflichtungen (GbR, GmbH & Co. KG) verbunden sind.

  • 2. Wann kann man den Erwerb einer geschlossenen Fondsbeteiligung rückabwickeln?

    Die Besonderheiten von Widerrufsrechten wegen eines Haustürgeschäfts oder eines Fernabsatzgeschäfts ausgenommen, ist eine Rückabwicklung einer geschlossenen Fondsbeteiligung immer dann denkbar, wenn der Anleger von der Bank im Vorfeld des Erwerbgeschäfts nicht anleger- und anlagegerecht über alle wesentlichen Kriterien (z. B. Geeignetheit der Beteiligung für Anlageziele des Anlegers bzw. die Risiken) der Fondsbeteiligung aufgeklärt wurde. Gleiches gilt, wenn der Anleger im Vorfeld des Kaufs von der Bank nicht über den Rückfluss des Agios (sog. Kick-back-Rechtsprechung) an sie aufgeklärt wurde. Siehe hierzu auch unter „FAQ Anlageberatung“.

    Wurde die Fondsbeteiligung von einem Finanzinstitut oder Finanzberater ohne eine individuelle Beratung lediglich vermittelt, so kommt eine Rückabwicklung nur in Betracht, wenn eine fehlerhafte anlagegerechte Beratung vorliegt, also nicht über die wesentlichen Kriterien der Beteiligung aufgeklärt wurde.

  • 3. Welche Haftungsrisiken bestehen?

    Die Haftungsrisiken bei einer geschlossenen Fondsbeteiligung ergeben sich regelmäßig aus der gewählten Rechtsnatur des Fonds. Wurde der Fonds als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) aufgelegt, so haften die Anleger per Gesetz in unbeschränkter Höhe gesamtschuldnerisch für alle Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Um dieses Problem abzumildern, sehen die Mehrzahl aller Fondsbeteiligungen in der Rechtsform einer GbR eine sog. „quotale Haftung“ vor, wonach ein Anleger für die Verbindlichkeiten des Fonds nur begrenzt entsprechend seinem Anteil haftet. Die Höhe der Haftung regelt sich dann nach den geschlossenen Vertragswerken des Fonds.

    Bei der GmbH & Co. KG ist die Haftung des Anlegers regelmäßig auf die vereinbarte Kapitaleinlage bzw. Zeichnungssumme beschränkt. Zu beachten ist jedoch, dass vielfach in den ersten Jahren der Geschäftstätigkeit des Fonds keine Gewinne verzeichnet werden und deshalb oftmals Ausschüttungen aus dem Eigenkapital der Gesellschaft an die Anleger vorgenommen werden. In derartigen Fällen lebt die Haftung auf die Kapitaleinlage wieder auf, obwohl diese bereits einmal erbracht wurde.

  • 4. Ist ein Anleger zum Nachschuss verpflichtet?

    Eine Pflicht zum Nachschuss bedarf regelmäßig einer Legitimation aus dem Gesellschaftsvertrag, wobei eine sog. Nachschussklausel nur dann wirksam ist, wenn sie quantitativ, also in der Höhe, bestimmt ist. Sieht der Gesellschaftsvertrag keine Nachschussverpflichtung vor, so kommt eine solche nur in Betracht, sofern im Vorfeld von der Gesellschaft das bereits eingezahlte Eigenkapital an die Anleger ausgezahlt wurde (Regelfall GmbH & Co. KG).

    Vom Nachschuss abzugrenzen ist der Ausgleich des Fehlbetrags der Gesellschaft im Fall der Liquidation des Fonds (Regelfall GbR). Hierzu sind alle Gesellschafter verpflichtet, sofern sich die Haftung nicht auf die Zahlung der Kapitaleinlage begrenzt war und diese geleistet wurde.

    Ansonsten ist zu berücksichtigen, dass im Einzelfall unter Umständen die Zahlung eines Nachschuss mit geringen Vermögenseinbußen der Anleger verbunden ist, als die zwangsweise Zerschlagung des Fonds. In derartigen Fällen könnte den zahlungsunwilligen Gesellschaftern ein Ausschluss aus der Gesellschaft drohen. Hier besteht dann die Gefahr, dass der ausgeschlossene Anleger das sich aus der Bilanz ergebende negative Auseinandersetzungsguthaben auszugleichen hat.

  • 5. Kann ich meine Beteiligung kündigen?

    Die Dauer der Mitgliedschaft zu einer geschlossenen Fondsbeteiligung ergibt sich regelmäßig aus dem Gesellschaftsvertrag. Sieht dieser keine Regelung vor, kann eine Kündigung jederzeit erklärt werden. Unabhängig von den vertraglichen Kündigungsfristen kommt darüber hinaus im Einzelfall auch eine außerordentliche Kündigung in Betracht.

  • 6. Kann ich mich auf der Gesellschafterversammlung vertreten lassen?

    Sofern der Gesellschaftsvertrag keine abweichende Regelung beinhaltet, kann sich ein Anleger auch von einem Dritten auf einer Gesellschafterversammlung vertreten lassen. Sieht der Gesellschaftsvertrag dementgegen Einschränkungen vor, bedarf es der Prüfung, ob diese ggf. unwirksam sind, da sie die Anleger unangemessen benachteiligen.

  • 7. Welche Auskunftsrechte und Einsichtsrechte habe ich?

    Grundsätzlich kann ein Anleger alle Geschäftsunterlagen seiner Fondsbeteiligung einsehen. Hierzu zählt auch die Gesellschafterliste nebst den entsprechenden Postanschriften.

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