FAQ Liquidation

  • 1. Was versteht man unter einer Fondsliquidation?

    Die Liquidation findet nach der Auflösung der Gesellschaft statt. Aufgabe der Liquidatoren ist die Beendigung der laufenden Geschäfte, eine Einziehung der ausstehenden Forderungen, die Veräußerung des Gesellschaftsvermögens und die Befriedigung der Gläubiger der Gesellschaft, vgl. §§ 145 ff. HGB. Die Liquidation führt mithin zur Beendigung der Gesellschaft im Außenverhältnis.

  • 2. Wer muss die Liquidation durchführen?

    Sofern die Fondsliquidation nicht durch einen Gesellschafterbeschluss oder durch den Gesellschaftsvertrag bestimmten Gesellschaftern oder Personen übertragen ist, erfolgt die Liquidation gemeinschaftlich durch alle Gesellschafter, vgl. § 146 HGB bzw. § 730 Abs. 2 BGB. Infolgedessen ist gerade bei größeren Publikumsgesellschaften darauf zu achten, dass vor der Fondsliquidation ein Liquidator benannt wird, da andernfalls nur alle Gesellschafter gemeinschaftlich handeln könnten. Letzteres sollte aus Gründen der Handlungsfähigkeit unbedingt vermieden werden.

    Als Liquidatoren kommen neben bestimmten Gesellschaftern auch Dritte, wie etwa Geschäftsbesorger, Rechtsanwälte und Steuerberater in Betracht.

    Der Liquidator ist per Beschluss zu bestellen. Die hierfür erforderliche Stimmenmehrheit ergibt sich aus dem Gesellschaftsvertrag bzw. dem Gesetz.

  • 3. Wie gestaltet sich der Ablauf einer Fondsliquidation?

    Im Regelfall beginnt die Beendigung oder Liquidation einer Gesellschaft durch einen entsprechenden Liquidationsbeschluss unter Bestellung eines Liquidators. Der Liquidator übernimmt sodann die Geschäftsleitung mit dem geänderten Gesellschaftszweck der Beendigung der Gesellschaft. Zu diesem Zweck hat er vorerst eine Liquidationseröffnungsbilanz (bei der GbR obligatorisch) beschließen zu lassen. Nach der Feststellung der Eröffnungsbilanz beginnt der Liquidator die laufenden Geschäfte der Gesellschaft zu beenden und vorhandene Vermögenswerte in Geld umzusetzen. Weiterhin werden mit der vorhandenen Liquidität die Gläubiger der Gesellschaft befriedigt. Verbleibt hiernach ein Überschuss, ist dieser an die Gesellschafter entsprechend ihren Anteilen auszukehren. Sofern die Vermögenswerte nicht zur Befriedigung der Gläubiger ausreichen sollten, wird er sich zumindest bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts - ggf. nach entsprechenden Verhandlungen mit den Gläubigern über Teilverzichte – an die Gesellschafter wenden, um einen entsprechenden Fehlbetragsausgleich einzufordern.

    Die Liquidation endet mit der Feststellung der Schlussbilanz und der Auskehrung eines ggf. vorhandenen Restguthabens.

  • 4. Wann ist eine Liquidation einer Fondssanierung vorzuziehen?

    Eine Liquidation ist nach unseren Erfahrungen immer dann einer Sanierung vorzuziehen, wenn sich im Gesellschafterkreis unterschiedliche Interessenlagen abzeichnen, die eine gemeinsame Fortführung oder Sanierung der Gesellschaft unmöglich machen bzw. wenn der gewünschte Gesellschaftszweck unerreichbar erscheint.

  • 5. Was kostet eine Liquidation?

    Sofern die Liquidation nicht von allen Gesellschaftern gemeinschaftlich erfolgt oder für den liquidierenden Gesellschafter keine besondere Vergütung beschlossen wurde, ist diese den Treuepflichten ohne eine besondere Vergütung zuzuordnen.

    Gesellschaftsfremde Dritte stellen ihre diesbezügliche Dienstleitung regelmäßig nur kostenpflichtig zur Verfügung. Oftmals erfolgt hier die Honorierung nach dem bisherigen Honorar der Geschäftsleitung oder nach einem Pauschalbetrag bzw. einem vereinbarten Stundensatz. Vorzugswürdig ist nach unserer Erfahrung in jedem Fall ein Pauschalbetrag oder eine Stundenvereinbarung, da berücksichtigt werden muss, dass eine Fondsliquidation, insbesondere sofern sich ein Fehlbetrag ergibt, in Einzelfällen bis zu 10 Jahren dauern kann, wobei in den letzten Jahren hiermit kein größerer Aufwand verbunden ist. Infolgedessen erscheint eine jährliche Vergütung in gleichbleibender Höhe nicht sachgerecht.

  • 6. Welcher Unterschied besteht zwischen der Liquidation und der Auseinandersetzung?

    Die Liquidation dient der Beendigung der Gesellschaft im Außenverhältnis. Dass bedeutet, dass einerseits alle bestehenden Forderungen der Gesellschaft gegenüber den Schuldnern geltend gemacht werden sowie alle Verbindlichkeiten gegenüber den Gläubigern befriedigt werden. Im Ergebnis verbleibt bei der Gesellschaft ein Fehlbetrag, der von den Gesellschaftern einzufordern ist (vgl. § 735 BGB) oder es verbleibt ein Überschuss, der an die Gesellschafter entsprechend ihrer Anteile auszukehren ist.

    Dem gegenüber dient die Auseinandersetzung der Verrechnung der geleisteten Kapitaleinlagen der Gesellschafter untereinander. Hiermit soll sichergestellt werden, dass jeder Gesellschafter gemäß seinem vertraglichen Gesellschafteranteil die auf ihn entfallene Einlage geleistet hat bzw. erstattet bekommt.

    Eine Auseinandersetzung ist infolgedessen immer dann unnötig, wenn alle Gesellschafter entsprechend ihres quotalen Anteils die auf sie entfallenen Kapitalanteile geleistet haben bzw. immer dann angezeigt, wenn einige Gesellschafter im Verlauf der Gesellschaft höhere quotale Anteile geleistet haben, ohne das ihnen im Gegenzug ein höherer Gesellschaftsanteil zugerechnet wurde.

    Da bei der Auseinandersetzung sich rechtlich die jeweiligen Gesellschafter gegenüberstehen, sollte aus Gründen der Praktikabilität bei Publikumsgesellschaften auf Grund der großen Gesellschafteranzahl versucht werden, die Liquidation der Gesellschaft möglichst so zu gestalten, dass eine Auseinandersetzung zwischen den Gesellschaften unnötig wird.

  • 7. Kann ein Liquidator einen Nachschuss oder Fehlbetrag einfordern?

    Bei einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts haben die Gesellschafter nach § 735 BGB den Fehlbetrag auszugleichen. Dieser Anspruch kann, sofern er nicht nach dem Gesellschaftsvertrag abbedungen ist, von der Gesellschaft geltend gemacht werden. Grundvoraussetzung ist hierfür eine beschlossene - zumindest vorläufige - Schlussbilanz.

    Bei Kommanditgesellschaften stellt sich die Frage eines Nachschusses überhaupt nur dann, wenn während der Geschäftstätigkeit den Gesellschaftern bereits gezahlte Einlagen zurückerstattet oder Ausschüttungen vorgenommen wurden, obwohl diesen keine entsprechenden Gewinne gegenüberstanden. Hier kann der Liquidator die Gesellschafter zur Wiedereinzahlung der Kapitaleinlagen auffordern, sofern der Gesellschaftsvertrag hierfür eine entsprechende Regelung vorsieht. D. h., entgegen der Gesellschaft bürgerlichen Rechts sieht der Gesetzgeber hier keinen entsprechenden Fehlbetragsanspruch des Liquidators vor.

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