FAQ Termingeschäfte

  • 1. Was ist ein bzw. fällt unter den Begriff "Termingeschäfte?

    Zu den klassischen Termingeschäften zählen Future, Optionen und Optionsscheine sowie Waren- und Devisentermingeschäfte. Darüber hinaus gibt es heutzutage jedoch vielfältige Finanzinnovationen, die auf Grund ihrer Konstruktion ebenso als Termingeschäft einzustufen sind, obwohl sie vermeintlich einem normalen Wertpapier ähnlich sind. Die oftmals schwierige Einordnung der Finanzinnovationen ist jedoch ausschlaggebend, welche Pflichten der Bank gegenüber dem Kunden obliegen. Denn auf Grund des hohen Risikos von Termingeschäften werden besondere Aufklärungspflichten auferlegt.

    Termingeschäfte können einem unternehmerischen Zweck dienen, aber auch bloßes Spekulations- oder Differenzgeschäft sein. Eine grobe Unterteilung der Termingeschäfte kann nach der Erfüllungsabsicht der Marktteilnehmer vorgenommen werden. So kann zwischen den Lieferungsgeschäften, bei denen eine tatsächliche Erfüllung durch gegenseitigen Leistungsaustausch beabsichtigt ist, den Börsentermingeschäften, bei denen die Erfüllung regelmäßig mittels Glattstellung im Wege eines Gegengeschäfts erfolgt und den Differenzgeschäften, bei denen die Vertragspartner lediglich einen Differenzausgleich beabsichtigen, unterschieden werden.

    Der Gesetzgeber subsummiert gemäß § 2 Abs. 2 WpHG unter einem Finanztermingeschäft u.a. Wertpapiere oder Geschäfte die zeitlich verzögert zu erfüllen sind und deren Wert sich unmittelbar oder mittelbar vom Preis oder Maß eines Basiswertes ableitet. Basiswerte können hierbei Wertpapiere oder Geldmarktinstrumente,Devisen oder Rechnungseinheiten, Zinssätze oder andere Erträge oder entsprechende Indices der e. g. Basiswerte sein.

    Weiterhin zählen hierzu Termingeschäfte mit Bezug auf Waren, Frachtsätze, Emissionsberechtigungen, Klima- oder andere physikalische Variablen, Inflationsraten oder andere volkswirtschaftliche Variablen oder sonstige Vermögenswerte, Indices oder Messwerte als Basiswerte, sofern sie durch Barausgleich zu erfüllen sind und auf einem organisierten Markt oder in einem multilateralen Handelssystem geschlossen werden. Als auch finanzielle Differenzgeschäfte oder Geschäfte die als Kauf, Tausch oder anderweitig ausgestaltete Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte, die zeitlich verzögert zu erfüllen sind und dem Transfer von Kreditrisiken dienen (Kreditderivate) ausgestaltet sind.

  • 2. Welche Pflichten obliegen der Bank bei Termingeschäften?

    Mit der Einführung des Finanzmarktrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (FRUG, Umsetzungsgesetz zur MiFID) und dem Wegfall des § 53 BörsG sowie des § 37 d WpHGwurden die Anforderungen an die Banken im Hinblick auf die ursprünglich erforderliche Termingeschäftsfähigkeit nochmals reformiert.

    Nunmehr soll der Anlegerschutz allein durch die Information gemäß den Verhaltenspflichten der Banken nach § 31 ff. WpHG gewährleistet werden.Hiernach hat eine Bank den Kunden entsprechend seinen individuellen Bedürfnissen die notwendige Aufklärung zu gewährleisten bzw. den Kunden darüber aufzuklären, dass ein Produkt auf Grund seiner Risiken oder Komplexität ggf. für den Kunden ungeeignet ist.

    Im Kern gelten somit auch für Termingeschäfte die Anforderungen einer anleger- und objektgerechten Beratung. Im Rahmen der objektgerechten Beratung hat die Bank den Anleger zumindest darüber zu informieren, dass

    - die aus Börsentermingeschäften erworbenen befristeten Rechte verfallen oder eine Wertminderung erleiden können;

    - das Verlustrisiko nicht bestimmbar ist und auch über etwa geleistete Sicherheiten hinausgehen kann;

    - Geschäfte, mit denen die Risiken aus eingegangenen Börsentermingeschäften ausgeschlossen oder eingeschränkt werden sollen, möglicherweise nicht oder zu einem verlustbringenden Marktpreis getätigt werden können;

    - das Verlustrisiko sich erhöht, wenn für die Erfüllung von Verpflichtungen aus Börsentermingeschäften ein Kredit in Anspruch genommen wird oder die Verpflichtung aus Börsentermingeschäften oder die hieraus zu beanspruchende Gegenleistung auf ausländische Währung oder eine Rechnungseinheit lautet.

  • 3. Wie errechnet sich die Höhe des Schadenersatzanspruchs?

    Hat eine Bank einen Kunden nicht ordnungsgemäß aufgeklärt, so ist das Geschäft - entgegen der früheren Gesetzeslage - trotz fehlender schriftlicher Information wirksam zustandegekommen.Die Bank ist dem Anleger hiernach regelmäßig zum Ersatz des erlittenen Schadens, also dem erlittenen Verlust nebst Kosten, verpflichtet.

  • 4. Welche Verjährungsfristen sind zu beachten?

    Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Beratung unterliegen der Regelverjährung von 3 Jahren. Die Frist beginnt am Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Anleger von den anspruchsbegründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder grob fahrlässig keine Kenntnis erlangt hat. Die Verjährung ist somit kenntnisabhängig. Daneben stellt § 199 Abs. 3 BGB kenntnisunabhängige Verjährungshöchstfristen für Schadensersatzansprüche von 10 Jahren nach ihrer Entstehung bzw. 30 Jahre nach der Begehung der schadensauslösenden Handlung oder Pflichtverletzung auf.

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