FAQ Vermögensverwaltung

  • 1. Was ist ein und erfolgt der Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrags?

    Im Unterschied zur Anlageberatung erfolgt beim Vermögensverwaltungsauftragdie Vermögensdisposition regelmäßig nicht durch den Anleger selbst, sondern vielmehr durch den Vermögensverwalter auf Grund der ihm vom Anleger überlassenen Bevollmächtigung.

    Die Bevollmächtigung des Verwalters oder der Bank stellt insoweit eine vertragliche Vereinbarung dar, die regelmäßig schriftlich, aber auch mündlich getroffen werden kann. Eine Formvorschrift besteht insoweit nicht.

    Rechtlich handelt es sich bei einem entgeltlichen Vermögensverwaltungsvertrag regelmäßig um einen typengemischten Vertrag, da er sowohl Geschäftsbesorgungs- als auch Dienstleistungscharakter hat. Geschuldet ist hiernach kein Erfolg im Sinne einer Vermögensmehrung, sondern lediglich die ordnungsgemäße und sachgerechte Verwaltung des Vermögens.

    Unabhängig von der Formfreiheit bedienen sich die Banken und die Finanzdienstleister regelmäßig vorgefertigten Formularen, in denen einerseits die Verwaltung als solches und der Umfang der Vollmacht (Anlagerichtlinien)sowie andererseits der Gebührenanspruch des Verwalters etc. vereinbart werden.

    Wichtig ist, dass trotz eines bestehenden Vermögensverwaltungsvertrags der Anleger jederzeit gegenüber dem Vermögensverwalter weisungsbefugt bleibt und insoweit sowohl Einzelanweisungen bzgl. dem An- und Verkauf bestimmter Wertpapiere erteilen kann oder auch die Anlagerichtlinien bzw. Vollmacht gänzlich ändern bzw. widerrufen kann. Möchte oder kann der Verwalter einer Weisung des Anlegers nicht folgen, so bleibt ihm lediglich die Möglichkeit der Kündigung des Auftrags.

  • 2. Welche Aufklärungspflichten obliegen der Bank beim Abschluss eines Vermögensverwaltungsvertrags?

    Wie bei jeder Vermögensanlage hat auch ein Finanzdienstleister oder eine Bank bei der Beratung über oder der Akquisition eines Vermögensverwaltungsauftrags die Grundzüge einer anleger- und objektgerechten Beratung zu wahren. Dass bedeutet, dass der Berater den Anleger nicht nur über die Vor- und Nachteile und wesentlichen Modalitäten einer Vermögensverwaltung (objektgerechte Beratung), sondern auch über die inhaltliche Ausgestaltung der Vollmacht bzw. die Anlagerichtlinien im Hinblick auf das Anlageziel, die Risikobereitschaft sowie die konkrete persönliche Vermögenssituation des Kunden (sog. anlegergerechte Beratung) aufzuklären hat.Tut er dies nicht ordnungsgemäß, macht sich die Bank unter Umständen schadenersatzpflichtig?

  • 3. Welche Pflichten obliegen dem Vermögensverwalter?

    Ein Auftrag für eine Vermögensverwaltung umfasst sowohl eine Dispositionsvollmacht für den Vermögensverwalter, ohne vorherige Rücksprache Wertpapiertransaktionen für den Anleger treffen zu können, als auch eine Handlungspflicht, die Vermögenswerte entsprechend der vertraglich vereinbarten Anlagerichtlinie oder dem Anlegerinteresse zu verwalten.

    Hieraus ergeben sich für den Vermögensverwalter u. a. folgende Pflichten: - Die Handlungsmaximen der Vermögensverwaltung werdendurch die zwischen den Parteien vereinbartenAnlagerichtlinienbestimmt. Als Weisung im Sinne des § 665 BGB hat der Vermögensverwalter die Anlagerichtlinie strikt zu wahren.

    Anlagerichtlinien können bestimmte Wertpapiergattungen ein- oder ausschließen (keine Optionen, nur Standartwerte) oder eine bestimmte Depotstruktur (30 % Aktien / 70 % Anleihen) vorgeben oder ein Risikoprofil (konservativ, spekulativ) vorsehen.

    Wichtig ist, dass auch eine in Vertragsmustern von den Finanzdienstleistern vielfach verwendete Formulierung, wonach dem Verwalter ein Handeln nach "freiem Ermessen" eingeräumt wird, diesen von der vereinbarten Anlagerichtlinie nicht entbindet.Haben die Vertragsparteien keine Anlagerichtlinie vereinbart, so hat der Vermögensverwalter gleichwohl entsprechend einem ordentlichen Kaufmann im Interesse des Anlegers zu handeln und mithin sowohl dessen Risikoprofil zu beachten als aucheine ausreichende, risikominimierende Diversifikation des Vermögens vorzunehmen.

    - Die Risiken des Vermögens sind soweit als möglich und zulässig im Sinne der Anlagerichtlinien zu vermeiden. Der Vermögensverwalter ist insoweit verpflichtet, dasRisiko des ihm anvertrauten Vermögensdurch Risikostreuung(Diversifikation) in größtmöglichem Umfang zu reduzieren.

    - Es besteht ein ständigesÜberwachungs- und Handlungsgebot. Denn der Anleger möchte sich gerade dieser Notwendigkeit durch den Abschluss eines Vermögensverwaltungsauftrags entziehen. Infolgedessen hat der Vermögensverwalterneben der Überwachung der Einzelinvestments auch zu überprüfen, ob die Depotzusammensetzung infolge von Kursbewegungen noch den Anlagerichtlinien entspricht oder Anpassungen notwendig sind.

    - Weiterhin hat der Verwalter möglicheInteressenkollisionen zu vermeiden. Das bedeutet, dass er den Anleger von Provisionsrückvergütungen zu informieren hat, keine Provisionseinnahmen durch den ungerechtfertigte An- und Verkauf von Wertpapieren künstlich generieren darf (Verbot des Churning) und auch keine Wertpapiere in das Kundendepot umschichten darf, die er ggf. anderweitig loswerden möchte.

    - Letztendlich ist der Vermögensverwalterzur Information und Rechenschaft über die Entwicklung und den Bestand des Depots sowie die durchgeführten Transaktionen verpflichtet (§§ 666, 675 BGB)als auch eine Benachrichtigungspflicht des Kunden beim Erreichen einer vereinbarten Verlustgrenze oder, sofern eine solche Vereinbarung fehlt, bei Verlust erheblicher Vermögensteile besteht. Inwieweit darüber hinaus auch eine Benachrichtigung bei erheblichen Verlusten einzelner Wertpapiere besteht, ist umstritten. Die Benachrichtigung hat zeitnah zu erfolgen, um dem Anleger eine Reaktion auf die veränderten Umstände zu ermöglichen.

    Die Frage der "Erheblichkeit"eines Verlustes kann, sofern die Verlustgrenze nicht vertraglich beziffert ist, nicht pauschal beantwortet werden, da insoweit die vereinbarte Risikostruktur und Anlagepolitik des Anlegers zu berücksichtigen ist. Als Faustformel gilt, je konservativer ein Vermögen anzulegen war, desto erheblicher sind etwaige Verluste.

    Verstößt ein Vermögensverwalter gegen die ihm obliegenden Verpflichtungen, macht er sich unter Umständen gegenüber dem Kunden schadenersatzpflichtig?

  • 4. Wie errechnet sich die Höhe des Schadenersatzanspruchs?

    Die Höhe des Schadenersatzanspruchs richtet sich je nach dem im Einzelfall verfolgten Klageziel.

    In allen Fällen der fehlerhaften anleger- und objektgerechten Beratung im Rahmen des Abschlusses eines Vermögensverwaltungsvertrages gelten dem Grunde nach die Regelungen wie bei einer fehlerhaften Anlageberatung.Das bedeutet, dass auch hier - widerleglich - regelmäßig zu Gunsten des Anlegers von der Rechtsprechung vorerst einmal unterstellt wird, dass sich ein ordnungsgemäß aufgeklärter Anleger sachgerecht verhalten hätte und insoweit ggf. den Vermögensverwaltungsvertrag überhaupt nicht oder z. B. nur mit einem geringeren Risikoprofil abgeschlossen hätte. Mithin kommt sowohl eine Rückabwicklung des Vermögensverwaltungsvertrags oderauch nur ein begrenzter Verlustausgleich auf Grund der höher eingegangenen Risiken in Betracht. Möchte der Anleger die streitgegenständliche Kapitalanlage behalten, so beschränkt sich der Anspruch auf den Differenzschaden, der durch die fehlerhafte Aufklärung verursacht wurde. Wünscht der Anleger allerdings eine Rückabwicklung der Vermögensverwaltung, so ist der Anleger wirtschaftlich so zu stellen, wie er stehen würde, wenn er die Kapitalanlage nicht getätigt hätte. Ersatzpflichtig ist insofern neben den Anschaffungskosten ggf. auch ein entgangener Gewinn.

    In allen Fällen verschwiegener Rückvergütungen (Kick-Back-Rechtsprechung) an den Verwalter, kann auf die Ausführungen zur fehlerhaften Anlageberatung verwiesen werden.

    Hat der Verwalter eine Pflichtverletzung im Rahmen der Verwaltung begangen, so ist grundsätzlich der Zustand wiederherzustellen, der bei ordnungsgemäßer Verwaltung bestehen würde. Das bedeutet, dass der Verwalter den durch sein pflichtwidriges Tun verursachten Schaden zu ersetzen hat. Die Rechtsprechung lässt hierbei - unter Verlust des Schadensersatzanspruchs - dem Vermögensverwalter nach, darzulegen und zu beweisen, dass der Schaden auch bei pflichtgemäßem Handeln eingetreten wäre(rechtmäßiges Alternativverhalten).

  • 5. Welche Verjährungsfristen sind zu beachten?

    Für alle Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Aufklärungüber die Vermögensverwaltung oder unsachgemäßer Verwaltung des Vermögens gilt die Regelverjährung von 3 Jahren. Die Frist beginnt gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 1 und 2 BGB am Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den anspruchsbegründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder grob fahrlässig keine Kenntnis erlangte. Die Verjährung ist somit kenntnisabhängig. Daneben stellt § 199 Abs. 3 BGB kenntnisunabhängige Verjährungshöchstfristen für Schadensersatzansprüche von 10 Jahren nach ihrer Entstehung bzw. 30 Jahre nach der Begehung der schadensauslösenden Handlung oder Pflichtverletzung auf.

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